Blick vom Cap Vermell über Canyamel: Strand, Ort und das unbebaute Tal dahinter
Capdepera · Nordosten

Canyamel

Ein breiter Strand am Ende eines Tals, dahinter ein Golfplatz und ein Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert. Bebaut ist nur ein kleiner Teil davon — und das ist der Punkt.

Unukorno · CC BY 4.0

Gemeinde Capdepera
Einwohner 12.081
Ausländeranteil 22 %

Quelle: INE, Padrón Continuo · 2026-08-04

Canyamel liegt an der Ostküste, Gemeinde Capdepera — dieselbe wie Cala Ratjada, aber am anderen Ende, etwa auf halbem Weg zwischen Cala Ratjada und Cala Millor. Der Ort liegt dort, wo ein Tal aus dem Landesinneren zur Küste ausläuft.

Der Turm und der Name

Zwei Kilometer landeinwärts steht die Torre de Canyamel, ein gotischer Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert: quadratischer Grundriss, 23 Meter hoch, im Erdgeschoss meterdicke Mauern, drei Geschosse mit verwinkelten Treppen. In dieser Bauform ist er der einzige seiner Art auf Mallorca. Errichtet wurde er, um die Küste zu überwachen und den Bewohnern des fruchtbaren Tals bei Korsarenangriffen Schutz zu bieten.

Ursprünglich hieß er Torre d’en Montsó. Seinen heutigen Namen bekam er in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als hier Zuckerrohr angebaut wurde — canya mel, Honigrohr. Der Ort ist nach einer Pflanze benannt, die hier seit fünfhundert Jahren nicht mehr wächst. Seit 2009 ist der Turm als Museum und Veranstaltungsort öffentlich zugänglich.

Zwei Kilometer in die andere Richtung, in der Steilküste, liegen die Coves d’Artà — eine der großen Tropfsteinhöhlen der Insel, mit einem Eingangsportal hoch über dem Meer.

Was den Ort ausmacht

Der Strand ist breit und flach und gilt als einer der besseren der Ostküste. Entscheidend für den Charakter des Ortes ist aber das, was hinter ihm liegt: Das Tal ist weitgehend unbebaut geblieben. Landwirtschaftliche Flächen, Pinienhänge, der Golfplatz — aber keine durchgehende Bebauung.

Canyamel hat deshalb keinen Ortskern im engeren Sinn. Es gibt Hotels, einige Restaurants und Wohnbebauung in Strandnähe, aber keine gewachsene Ortsmitte. Wer Alltagsinfrastruktur braucht, fährt nach Capdepera oder Artà, jeweils rund zwölf Kilometer.

Die Lagen im Ort

Der Unterschied zwischen den Lagen ist hier vor allem einer zwischen Küste und Tal.

In Strandnähe liegt die dichtere Bebauung: kurze Wege ans Wasser, in der Saison der meiste Betrieb.

Am Golfplatz und an den Hängen darüber liegen die weitläufigeren Grundstücke. Der Canyamel Golf ist ein 18-Loch-Platz, der durch mediterranen Pinienbestand vor der Kulisse der Berge von Artà geführt wird.

Im Tal liegen einzelne Fincas und Landhäuser auf großen Grundstücken. Hier gilt allerdings ländliches Baurecht — was auf einem Grundstück im suelo rústico möglich ist, hängt von Mindestgrößen und Schutzkategorien ab, nicht von der Fläche allein.

Was die Zahlen über den Ort sagen

Die Gemeinde Capdepera hatte 2022 12.081 gemeldete Einwohner, 11.858 waren es 2011. In elf Jahren ist sie damit um 2 Prozent gewachsen.

Die zweite Reihe ist die interessantere. Die gemeldete ausländische Bevölkerung lag 2011 bei 3.770 Personen und liegt heute mit 2.691 rund 29 Prozent darunter. Das ist die Spur der Finanzkrise, und sie ist in Capdepera bis heute nicht ausgeglichen.

Beide Reihen stammen aus dem Padrón Continuo des spanischen Statistikamts und erfassen ausschließlich Menschen mit Wohnsitzmeldung. Zweitwohnsitze tauchen darin nicht auf — und genau die sind der überwiegende Teil dessen, was auf Mallorca gekauft wird. Die Zahlen beschreiben den Ort, nicht den Markt. Wer sie als Nachfrageindikator liest, liest sie falsch.

Es sind dieselben Zahlen wie für Cala Ratjada: Beide Orte liegen in der Gemeinde Capdepera. Der Unterschied zwischen ihnen ist nicht statistisch, sondern baulich — Cala Ratjada ist ein gewachsener Hafenort, Canyamel eine deutlich kleinere Küstensiedlung ohne eigenen Kern.

Was das für einen Käufer heißt

Canyamel ist die ruhige Variante dieses Küstenabschnitts. Wer die Infrastruktur von Cala Ratjada schätzt, aber nicht vor der Tür haben will, findet sie hier zwölf Kilometer entfernt.

Der Punkt, an dem hier am meisten Geld verloren geht, ist das Baurecht im Tal. Bei jedem Objekt auf ländlichem Boden gehört vor dem Kauf geklärt, was tatsächlich genehmigt ist und was nur gebaut wurde — die beiden Dinge fallen auf Mallorca häufiger auseinander, als Käufer erwarten.

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Einwohnerzahlen amtlich vom INE. Einschätzungen zum Markt sind unsere eigenen und keine Statistik.